Milben, Haarlinge & Co.

Krabbelviecher im Hamstergehege entdeckt?

Keine Panik, hier erfährst du alles über den richtigen Umgang mit diesen ungebetenen Gästen.

Richtiges Vorgehen:
1. Genaue Art beim Tierarzt bestimmen lassen
2. Hamster behandeln
3. Umgebung behandeln
 
1. Richtige Art beim Tierarzt bestimmen lassen

Es gibt verschiedene Arten von Krabbelviechern und alle müssen unterschiedlich behandelt werden. Daher ist die richtige Bestimmung der Art enorm wichtig. Allerdings wird das leider meistens nicht gemacht, weil aus Panik erstmals das ganze Gehege «gereinigt und desinfiziert» wird. Oft ist das aber unnötige Arbeit und stresst sowohl Hamster als auch Körnergeber unnötig.

Damit der Tierarzt die Krabbelviecher bestimmen kann, ist es wichtig, dass die Krabbelviecher entweder auf dem Hamster sitzen oder auf einem Klebstreifen in die Tierarztpraxis mitgebracht werden. Dazu kann man die Krabbeltiere vorsichtig mit einem durchsichtigen Klebeband «auftupften» (Vorsicht: nicht zerquetschen!) Am besten nimmt man mehrere Proben zum Tierarzt mit, damit er sicher eine gute Probe unter dem Mikroskop analysieren kann. Da sich Tierärzte nicht immer mit allen Krabbeltieren auskennen, kann im Zweifelsfall eine parasitologische Laboruntersuchung in Auftrag gegeben werden.

Wichtige Infos für den Tierarzt:
  • Wo sitzen die Krabbeltiere? (Auf dem Hamster, im Nest, beim Wassernapf, im Körnerfutter.)
  • Kratzt sich der Hamster?
  • Leidet der Hamster unter Haarausfall oder geröteten Stellen?
 
2. Hamster behandeln (ausschliesslich nach Anweisung des Tierarztes!)

Erst wenn die Art der Krabbeltiere bekannt ist, kann der Hamster behandelt werden. Bei Milben und Haarlingen erhält der Hamster einen kleinen Tropfen eines Medikaments (häufig Stronghold 15 mg für Katzen) in den Nacken geträufelt. Diese Vorgehensweise nennt man «Spotten». Dazu wird der Hamster in eine leere Transportbox mit Toilettenpapier und einem Keramikversteck gesetzt. Die Milben verlassen den gespotteten und den für sie nun giftigen Hamster. Auf dem Toilettenpapier sind die Milben gut sichtbar. Stronghold hat eine Depotwirkung und wird zweimal im Abstand von 3 Wochen angewendet.

 
3. Umgebung behandeln (Gehege, Auslauf, Wohnung)

Wenn die Bekämpfung der diagnostizierten Krabbelviecher eine Umgebungsbehandlung nötig macht, ist wie folgt vorzugehen:

  • Holzgegenstände bei 100 Grad für eine Stunde im Backofen ausbacken
  • Keramik- und Plastikgegenstände mit Bactazol einsprühen und mit heissem Wasser überbrühen (z.B. im Geschirrspüler)
  • Die alte Einstreu komplett entsorgen und das Gehege ebenfalls mit Bactazol einsprühen und anschliessend gründlich reinigen. (Achtung, unbehandelte Holzgehege lassen sich nicht 100%ig desinfizieren und sollten je nach Befall entsorgt werden.)

Wenn das Gehege und die Einrichtung gereinigt sind, kann das Gehege mit frischer Einstreu eingestreut werden und der gespottete Bewohner darf wieder einziehen. Je nach Befall macht es Sinn, den Hamster bis nach dem zweiten Spotten und erfolgreicher Bekämpfung der Krabbelviecher in einem gut zu reinigenden Quarantänebecken zu halten.

 
Übersicht über die häufigsten Krabbelviecher in der Hamsterhaltung

Haarlinge sind längliche 2 Millimeter grosse, helle Krabbeltiere. Sie ernähren sich von den Hautschuppen ihres Wirtes. Haarlinge sind wirtespezifisch und leben nur auf dem Hamster. Eine Behandlung des Geheges/Auslaufs ist nicht nötig.

Staubläuse sind für Mensch und Tiere ungefährlich. Sie findet man häufig an feuchten Orten wie beim Wassernapf oder bei der Toilettenecke. Da die Tiere nicht auf dem Hamster leben, muss der Hamster nicht behandelt werden. Eine Teilreinigung der betroffenen Stellen im Gehege reicht aus. Es ist keine Kompletteinrichtung notwendig.

Fellmilben und Haarmilben sind als weisse Punkte zu erkennen und leben im Fell des Hamsters. Der Hamster muss behandelt und sein Gehege/ Auslauf gereinigt werden.

Grabmilben leben unter der Haut und können nur durch ein Hautgeschapsel vom Tierarzt diagnostiziert werden.  Die Umgebung muss nicht mitbehandelt werden.

Saugmilben (Rote Vogelmilbe, tropische Rattenmilbe) leben hauptsächlich in der Umgebung des Hamsters. Sie gehen nur zum Blutsaugen auf den Hamster. Die Saugmilben sind leicht von anderen Krabbelviechern zu unterscheiden, da sie als rote Punkte zu erkennen sind. Wenn man sie mit dem Finger zerdrückt, hinterlassen sie eine rote Blutspur. Dies ist ein ziemlich sicheres Indiz, dass es sich um Saugmilben handelt. Diese Milben nehmen auch den Menschen und andere Haustiere als Wirt! Sie breiten sich in der Umgebung aus. Daher muss nicht nur der Hamster und sein Gehege, sondern alle Haustiere und bei einem grossen Befall die komplette Wohnung mitbehandelt werden! Die Wohnung kann mit Indorex Fogger gefoggert werden.

Unter Flöhen und Läusen leiden unsere Haustierhamster eher selten. Falls sie trotzdem einmal auftreten sollten, muss der Hamster behandelt und das Gehege/der Auslauf gereinigt werden.

 

Dann gibt es noch weitere Futterschädlinge oder Mücken, die von Frischfutter angelockt werden. Diese sind für den Hamster nicht direkt schädlich, trotzdem sollten sie bekämpft werden. Der Hamster muss dabei nicht behandelt werden. Gehegereinigungen sind je nach Grösse des Befalls eventuell notwendig.

Fruchtfliegen machen sich vor allem im Sommer gerne über das Frischfutter des Hamsters her. Um die lästigen Fruchtfliegen loszuwerden, kann eine kleine Schüssel mit Apfelsaft und einem Spritzer Spülmittel in der Nähe des Hamstergeheges aufgestellt werden. (Bitte nicht in das Gehege!)

Trauermücken kommen oft von Pflanzen und sind in der Erde. Sie erreichen eine Körperlänge von einem bis sieben Millimetern. Sie haben einen schlanken Körper und sind dunkel gefärbt. Ausserhalb vom Gehege kann man z.B. Streichhölzer mit den Köpfen nach unten in Erde stecken um sie zu bekämpfen. Im Gehege helfen nur sogenannte «Gelbtafeln», die aber so im Gehege angebracht werden müssen, dass der Hamster nicht dran kommt (aufhängen).

 

Vorratsschädlinge wie Lebensmittelmotten, Kornkäfer, Getreideplattkäfer etc. können sich im Futter des Hamsters einnisten. Befallenes Futter (inkl. Futterbunker des Hamsters) sollte weggeschmissen werden.  Als Vorbeugung kann man neues Futter in Tupperdosen abfüllen und einige Tage einfrieren oder bis zur Verfütterung im Tiefkühler lagern. Beim Auftauen darauf achten, dass das Futter nicht durch geschmolzenes Wasser feucht wird.

Gegen die Vorratsschädlinge können sogenannte «Nützlinge» wie Schlupfwespen, Lagererzwespen etc. eingesetzt werden.

Falls Schädlinge durch Futter aus einem seriösen Futtershop eingeschleppt wurden, sollte man diesen informieren, damit sie die Vorräte kontrollieren und das «verseuchte» Futter eliminieren können.